Drüben im Schilf sitzt der Reiher
Drüben im Schilf sitzt der Reiher. Hinten sieht man knapp unter der Wasseroberfläche gelegentlich einen kapitalen Wels. Und bei sommerlichen Temperaturen gibt’s am jenseitigen Ufer noch eine kleine unauffällige FKK-Gemeinde. Das ist die Natur. Und mir gefällt es hier besser als in der schweißbeladenen, kitschig elektro-beschallten Luft eines Fitnessstudios. Dass Rudern nicht nur ein Sport ist sondern auch ein Abenteuer, lässt sich schnell herausfinden. Dazu darf man die Einsamkeit gerne suchen... oder – ganz nach Belieben – auch aufgeben, um sich in die Obhut einer netten aber wagemutigen Gemeinschaft zu begeben. Ich habe hier sehr freundliche Menschen getroffen, habe mich ins Boot setzen lassen, dazu gelernt, gleichermaßen Vergnügen und Angst empfunden, Triumph und Niederlage ausgekostet. Und den stolzen Damen und Herren, die noch nicht gekentert sind, darf ich ausrichten, dass sie deswegen auch noch nicht gelernt haben, ein gekentertes Boot umzudrehen und in selbiges wieder einzusteigen. Ahoi, das zählt zu meinen heroischen Taten. Aber ich freue mich auf den Tag, da ich dereinst die Anfängerschaft weit hinter mir gelassen habe und erhobenen Hauptes durchs Bootshaus gehe, um mich unter die routinierteren Hersteller von Seemannsgarn zu begeben. - Welse? Reiher? Nackerte? - Ha! Unlängst hat mich ein Riesenkrake unters Wasser gezogen. Tauchend hab ich ein Ruder aus der Dolle gelöst und dem Urviech damit eins über den Schädel gezogen. Dann hab ich meinen Fuß vom Fangarm befreit, den Kiel wieder nach unten gedreht und bin eingestiegen. Jetzt hab ich mir ein Bier verdient. Ich darf auf Verständnis hoffen.
Martin Praska
Künstler
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