Von Franzbrötchen, Fotos und Frau Carstensen (ach ja, und gerudert sind wir auch)



Hamburg ist toll. Somit einmal in drei Worten die Kurzzusammenfassung von drei Rudertagen zu Gast beim Ruder-Club Protesia in Barmbek.

Damit ist allerdings noch nicht alles gesagt, und wer mag, darf jetzt auch noch weiterlesen. Denn dann erfahrt Ihr auch, was es mit dem Titel auf sich hat. Aber beginnen wir von vorne.

Am 14. Mai um 16h traf sich die Vorhut unserer Hamburgtruppe beim RC Protesia (www.rc-protesia.de), der auf seiner Webseite zu Recht von sich schreibt "hier sind die netten Hamburger" und "Protesia - komischer Name, geiler Verein!". Peter hieß uns ganz herzlich willkommen und zeigte uns die vier Boote, die wir dann nach Lust und Laune nutzen durften: zwei gesteuerte Vierer, die Schwan und die Frau Carstensen (letztere hat es uns besonders angetan, handelt es sich doch um ein gedecktes Boot mit Ladeluken - was da nicht alles reinpasst) sowie zwei gesteuerte Zweier, die Berlin und der Klabautermann, der uns gleich schon mal als "schwimmende Badewanne" vorgestellt wurde.

Sollte sich jemand noch über die zweite Bootskategorie gewundert haben, so wurde auf der Stadtparkrunde, mit der wir unser ruderndes Pfingstwochenende eröffneten, gleich mal klar, weshalb es ganz praktisch ist einen Steuermann (oder eine Steuerfrau) zu haben: Es ist nämlich so, dass die Brücken über Hamburgs Kanäle genau so breit gebaut wurden, dass ein Skullboot durchfahren kann, wenn es gerade steuert (oder so haben wir uns das jedenfalls erklärt). Und Brücken gibt es viele - mehr als in Venedig. Highlights dieser ersten Ausfahrt: Daniela als Kielschwein, gemeinsam mit Steuerfrau Rahel Franzbrötchen essend und Nadja als Schlagfrau somit folternd. Ein Eisvogel am Stadtparksee. Und natürlich der Programmpunkt "Reiche schauen" am Rondeelteich. (Zur Erklärung für Hamburg-Unkundige: Die Kanäle rund um die Alster verlaufen quer durch die Villengegenden und man fährt direkt durch die Gärten dieser Villen. Und Franzbrötchen sind sowas wie Zimtschnecken, nur doppelt geschneckt, süß und super, um die Handinnenflächen klebrig zu kriegen, damit sie an den Griffen der Holzruder halten.)

Pfingstsonntag 15. Mai um 9.30h waren wir dann vollzählig und teilten uns auf die vier Boote auf: Bernhard, Irene, Susi, Yelena und Markus waren mit Frau Carstensen unterwegs, Elisabeth, Michi, Babsi und Christa im Schwan (1 Platz blieb frei), Jirka, Etienne und Astrid in der Berlin und Nadja und ich fuhren steuerlos die Badewanne spazieren, die ihrem Namen alle Ehre machte und bei der leisesten Bewegung Kurven fuhr. Zum Glück erwies sich, dass ich die Kanäle auch nach 20 Jahren noch auswendig kann, sodass wir unbeschadet einmal quer überall durchhoppelten. Das Wetter war überaus hamburgisch, und so gabs immer mal wieder eine Pause unter der Brücke, bis der 5-Minuten-Platzregen vorbei war und strahlende Sonne die Kanäle in goldenes Licht tauchte. Wir fuhren auf dem Oberlauf der Alster bis zur Ohlsdorfer Schleuse, trafen viele gesteuerte Boote, ernährten uns (wieder mal) von Franzbrötchen und machten viiiiiiieeeeele Fotos. Nach vier Stunden Rollsitz fühlte sich das dann irgendwann doch nicht mehr ganz so bequem an, und die meisten waren froh, gegen 14h wieder den heimischen Steg am Osterbekkanal zu erreichen.

Zeit für eine Ruhepause, bis sich um 17.30h die Unermüdlichen alias Etienne, Astrid, Nadja, Bernhard, Jirka und Elisabeth zur zweiten AUsfahrt des Tages zum Isebekkanal aufmachten. Strenge Geschlechtertrennung - Männer im Holzboot, Frauen in der Badewanne - erwies sich als äußerst anspornend, sodass es gar zum Fotofinish unter der Brücke kam, den die Frauen für sich entschieden. Das wohlverdiente Abendessen nahmen wir alle zusammen in der nahe gelegenen Trattoria Mama ein - sozusagen eine kurze Auszeit von der Franzbrötchendiät.

Am Montag dann der große Moment: Peter hatte uns eine Fahne vom RC Protesia mitgebracht, die wir für Hasis Flaggengalerie gegen eine Austriafahne eintauschten (ist natürlich fotgrafisch dokumentiert!). Dann stachen wir mit den beiden Vierern in See, diesmal wirklich auf vergleichsweise hohe See, nämlich die Außenalster, die auf Grund des stark böigen Westwinds recht bewegt war. Unter der Kennedy- und Lombardsbrücke hindurch ging es auf die Binnenalster, wo wir die Fontäne umrundeten (Bernhard wird es mir nie verzeihen, dass ich Elisabeth sagte, sie solle nicht DURCH die Fontäne fahren) und uns durch den "Tunnel" zum Zielpunkt Kleine Alster aufmachten, wo wir bereits vom Hoffotografen - Susis Mann - erwartet wurden. Auf dem Rückweg gelang es durch ein wildes Manöver ganz nahe an den Alsterdampfer ranzukommen, auf dem Jirka mit Kindern uns beobachtete, bevor wir uns durch hohe Wellen auf der Ostseite der Außenalster bis zum Feenteich durchkämpften, wo es noch einmal zum "Reiche Schauen" ging. Hier entstand auch DAS Video unseres Wochenendes - darüber, wie eine Tüte mit Franzbrötchen von Boot 1 via Ruderblatt zu Boot 2 gelangt. Obwohl es mich ja schwer juckte, fuhren wir dann NICHT durch den Hofwegkanal zurück (das ist ein total überwucherter Kanal, den ich als Jugendliche befahren habe), sondern stinklangweilig über die Außenalster. Mittlerweile schon ganz professionell holten wir unsere Boote über den Kiel raus und verabschiedeten uns von den Mitgliedern des RC Protesia, deren Gastfreundschaft wir gar nicht genug loben könnnen!

Fazit: ein wunderschönes Wochenende, bei dem Rudern zwar im Zentrum stand, sich die Sportlichkeit aber mit der Gemütlichkeit und Geselligkeit die Waage hielt. Was uns noch fehlt: die Elbe (ging nicht wegen dem starken Westwind), der Hofwegkanal (ich bestehe darauf), die Tennisballhälften als Dollenschutz sowie der Gegenbesuch von Peter und seinen ProtesianerInnen in Wien - hoffentlich wird das was!

Wir begrüßen euch dann mit Zimtschnecken und einem echt wienerischen Moin Moin.

Rahel Cerna